Wieder in Saigon angekommen, waren wir heute noch einmal mit dem 4-Gang-Motorrad (Xe Honda oder Xe moto genannt) in der Stadt unterwegs – mit dem Auftrag, für die Dame auf dem Beifahrersitz die besten Shoppingtempel zu suchen.
Bereits vor einer Woche hatten wir mit dem Motorrad die ca. 35 km außerhalb von Saigon liegenden Vietcong-Tunnelsysteme von Cu Chi besichtigt. Als wir der Rezeptionistin von unserem Plan erzählten, hat die fast der Schlag getroffen. „Cu Chi ? By motorbike ? ALONE ??? Motobike driving is dangerous in Vietnam. You are the first one to do it !! You sure ?!“
Na klar sind wir sicher. Irgendwer muß ja immer der erste sein! Warum nicht wir? 🙂
Dabei ist es nicht so, als wären wir nicht gewarnt worden. Neben der Warnung im Reiseführer gab es die Info, daß es für Ausländer keine *legale* Möglichkeit gibt hier Motorrad zu fahren (deutscher Führerschein gilt hier nicht, aber wen schert das schon) und daß Versicherungen hier unbekannt sind. Deshalb habe ich mich schon vorher mal auf YouTube umgeschaut.
Da ich während der Fahrt leider zu beschäftigt war, Rollern, Cyclos, Reisebussen, Ochsen und noch vielem weiteren auszuweichen und meine Beifahrerin mit GPS und Karte beschäftigt war, haben wir hiervon leider kein eigenes Video. Dieses hier zeigt aber ganz gut, wie der Verkehr hier abläuft, wenn wenig Verkehr ist:
Was auf den ersten Blick recht chaotisch aussieht -nicht ohne Grund hat Vietnam die weltweit höchste Zahl an Verkehrsunfällen- richtet sich aber doch nach einigen einfachen Regeln:
- alle „üblichen“ Regeln gelten nicht
- der Schwächere weicht dem Stärkeren – immer. Das heißt Der Fußgänger weicht dem Radfahrer aus, der Radfahrer dem Motorrad, das Motorrad dem Auto, das Auto dem Bus. Immer! Jeder weiß es, und insbesondere der Stärkere geht davon aus. Also sollte man sich daran halten (insbesondere, wenn man nicht der Stärkere ist)
- Hupen ist kein Gefahrensignal. Es heißt vielmehr: Ich bin hinter Dir, Du hörst wer/was ich bin (Motorrad-, Auto-, Bushupe) und ich werde Dich überholen. Halte die Spur und scher nicht aus, zu Deinem eigenen besten.
- Rechtsfahren ist optional. Wenn man links abbiegen möchte und der Verkehr dicht ist, kann man auch schon zu einem günstigen Zeitpunkt -so einen halben Kilometer vorher- in die Gegenspur fahren und dann den Restweg am linken Straßenrand im Gegenverkehr zurücklegen. Tempo kann man dabei drossen, muß man aber nicht.
- Rote Ampel befolgt man, wenn sie sinnvoll sind. Ansonsten, z.B. wenn man nur rechts abbiegen will, denkt man sich den grünen Pfeil und fährt drüber. Ebenso, wenn kein Querverkehr kommt
- Abbiegen, wenden, Richtungswechsel generell: Man fährt einfach in die Richtung, in die man möchte. Fahren danach andere Fahrzeuge auf Kollisionskurs, verringert man die Geschwindigkeit, hält aber die Richtung. Anhalten geht nicht, lediglich etwas links oder rechts, etwas langsamer oder schneller zum konkreten Ausweichen entgegenkommender Fahrzeuge ist erlaubt. Niemals abrupt bremsen oder ausweichen – der Verkehr muß fließen !!
- Ungeregelter -insbesondere dichter Verkehr- geht ebenfalls nach dem Flußprinzip. Beispiel: Verkehr an einer Kreuzung aus zwei Richtungen. Zuerst fließt der Verkehr nur in einer Richtung, bis sich der Querverkehr aufstaut. Dann rollt der Querverkehr (z.B. 20 Roller) langsam aber unaufhörlich in die Kreuzung hinein, bis der Hauptverkehr immer dünner wird, abbremst und schließlich abreißen muß. Nun kann der Querverkehr fließen, bis der erstere wieder genug „Druck“ aufgebaut hat. Alles klar ?!
Etwas problematisch wird das ganze in der Rush Hour, wenn Autos zum Abbiegen in den Gegenverkehr hineinfahren, dort aber dann blockiert sind, weil der Querverkehr bereits startet (der natürlich auch nicht warten mag). Heute so erlebt: Zehn Autos und ein Bus, jeder will über die 4-spurige Kreuzung und keiner kann fahren. Dazu an die 200 Roller, die sich ebenfalls gegenseitig blockieren und das Chaos nur verschlimmern. Locker 10 Minuten hat das Spektakel gedauert, und wir waren mittendrin. Es gab kein vor und kein zurück. Ich war schon völlig benebelt von den ganzen Abgasen. Da meinte mitten auf der Kreuzung ein Vietnamese zu mir: „Did you like your experience in Vietnam up to now ?“ und grinst mich breit an. „Yes, except that smell!“. „Well, experience the ecologial disaster…“
Aufpassen! Im Video ab der 6. Min will ein Eisverkäufer mit seinem ‚Wägelchen‘ über Straße !! 🙂 😉